Uni-Logo
Sie sind hier: Startseite Dissertationen Laufende Dissertationen Nils Kessel
Artikelaktionen

Nils Kessel

Kurzvita

Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, der Geschichte der Medizin und der Romanischen Philologie an den Universitäten Freiburg, Bordeaux III und Basel (Studienstipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung). Von Dezember 2006 bis Oktober 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Freiburg, von 2008 bis 2015 Doktorand und Lehrkraft an der Université de Strasbourg (Allocataire-Moniteur, ATER). 2008-2011 Promotionsstipendium des französischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung; 2011 Promotionsabschlussstipendium des Europäischen Doktorandenkollegs der Université de Strasbourg. Seit 2015 als Post-Doc des Institut Francilien Recherche Innovation Société (IFRIS) tätig.

 

Dissertationsprojekt

Nebenwirkungen der Konsumgesellschaft? Geschichte des Arzneimittelgebrauchs in Westdeutschland, 1950-1980

 
Die Dissertation untersucht Arzneimittelkonsum in der Bundesrepublik im Zeitraum von circa 1950 bis in die 1980er Jahre. Die zentrale Frage lautet: Unter welchen historischen Bedingungen wurde Arzneimittelgebrauch zu einem Wissensobjekt, das es zu erforschen und beschreiben, und schließlich zu kontrollieren galt? Methodisch stützt sich die Arbeit einerseits auf die Begriffsgeschichte Reinhart Kosellecks, andererseits auf die technikhistorischen Arbeiten von David Edgerton und die techniksoziologischen Forschungen Madeleine Akrichs. Die Dissertation wertet neben Quellen aus Industrie- und Behördenarchiven die bislang unzugänglichen seriellen pharmazeutischen Marktanalysen von IMS Health aus. Diese ermöglichen erstmals präzise Angaben über den Einkauf und die Verschreibung von Arzneimitteln in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1960 und 1980. So gelingt es Diskurse über Sucht und Missbrauch, Konsum und Geschlecht, Psychiatrie und Gesellschaft zu historisieren und ihnen eine quantitativ makrohistorische und eine qualitativ mikrohistorische Lesart des Technikgebrauchs gegenüber zu stellen. Die Dissertation verortet die Problematisierung des Arzneimittelgebrauchs in der langen Geschichte der Arzt-Patienten-Beziehung einerseits und der Geschichte technologischer Innovationen und ihrer Nutzung andererseits. Sie zeigt wie dichotomisch organisierte Diskurse um Vernunft und Unvernunft, richtigem Gebrauch und Missbrauch auch die Versuche der Regulierung des Arzneigebrauchs prägen. Gegenüber anderen Technologien galt es bei Arzneimitteln über Instrumente wie die Verschreibungspflicht, Arzneimittelgesetze oder auch die Gesundheitsaufklärung „Konsum“ als wirtschaftlich notwendige Praxis zuzulassen ohne gleichzeitig „Konsum“ als selbstbestimmten Gebrauch und Verbrauch riskanter Produkte zu legitimieren.
  
  • Cotutelle, gemeinsame Betreuung durch Prof. Dr.  Sylvia Paletschek, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Prof. Dr. Christian Bonah, Université Marc Bloch, Straßburg
  • Einreichung der Dissertation am 30.07.2015

 

 

Publikationen

  •  Kessel, N.; Bonah, C. [2016]: „Revolutionary Markets? Approaching Therapeutic Innovation and Change through the Lens of West German IMS Health Data, 1959-1980“, in: Jeremy Greene, Elizabeth Siegel Watkins and Flurin Condrau (Hg.), Therapeutic Revolutions: Pharmaceuticals and Social Change in the Twentieth Century, Chicago: Chicago University Press, S. 97-125 (Erscheint im November).
  • Kessel, N. [2015]: „Les risques médicamenteux entre effets secondaires et consommation pharmaceutiques. Modèles transnationaux et appropriations nationales, 1961-1985“, in: La mondialisation des risques. Une histoire politique et transnationale des risques sanitaires et environnementaux, hrsg. von Soraya Boudia und Emmanuel Henry, Rennes: PUR, S. 123-136.
  • Kessel, N. [2015]: „Beyond Innovation. The Marketing of 'Old Drugs'“, in: The Development of Scientific Marketing in the Twentieth Century. Research for Sales in the Pharmaceutical Industry, hrsg. von Jean-Paul Gaudillière und Ulrike Thoms, London: Pickering & Chatto, S. 15-27.
  • Kessel, N. [2013]: „'Doriden von CIBA' – Sleeping Pills, Pharmaceutical Marketing and Thalidomide“, in: History and Technology, 29, H. 2, S. 153-168.
  • Kessel, N. [2013]: „Pionierjahre – Historische Gründungsmythen von Notfallmedizin und Rettungsdienst“, in: Organisationen und Experten des Notfalls. Zum Wandel von Technik und Kultur bei Feuerwehr und Rettungsdiensten, hrsg. von Markus Jenki, Nils Ellebrecht und Stefan Kaufmann (Zivile Sicherheit. Schriften zum Fachdialog Sicherheitsforschung, Bd. 7), Berlin: LIT, S. 51-68.
  • Bonah, C.; Kessel, N. [2011]: „La médecine, l’opinion publique et le scandale“, in: Bonah, C. u. a. (Hg.): Sciences humaines, médecine et santé. Manuel du Collège des enseignants de SHS en médecine et santé, Paris, S. 340-349.
  • Kessel, N. [2009]: „Arzneimittelschäden zwischen Regulierung und Skandal. Das Beispiel des Appetithemmers Phentermin 1971“, in: Eschenbruch, N. u. a. (Hg.): Arzneistoffe im 20. Jahrhundert, Bielefeld, S. 283-308.
  • Kessel, N. [2009]: „Umstrittene Expertise. Der Beirat 'Arzneimittelsicherheit' in der bundesdeutschen Arzneimittelregulierung 1968-1976“, in: Medizinhistorisches Journal, 44, H. 1, S. 61-93.
  • Kessel, N. [2008]: „Biographie als Disziplinentradition. Von der Idealisierung des Pharmakologen Wolfgang Heubner (1877-1957)“, in: Medizin, Gesellschaft, Geschichte 27, S. 133-160.
  • Kessel, N. [2007]: „Bei der Bergung verletzt, auf dem Transport moribund, bei Klinikeinweisung tot – Unfallrettung und ärztlicher Einsatz in der Bundesrepublik Deutschland 1950-1970“, in: Praxis 96, H. 12, S. 484-487.
  • Kessel, N., Kriegel, K. [2003]: „Krankenpflege im Nationalsozialismus“, in: Hans-Georg Hofer (Hg.): Die Freiburger Medizinische Fakultät im Nationalsozialismus. Katalog einer Ausstellung des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Freiburg, Frankfurt/M., S. 42-45.
  • Kessel, N., Kriegel, K. [2002]: „Nicht mitzuleiden, mitzukämpfen sind wir da! Krankenpflege im Nationalsozialismus“, in: Grün, B., Hofer, H.-G., Leven, K.-H. (Hg.): Medizin und Nationalsozialismus. Die Freiburger Medizinische Fakultät und das Klinikum in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“, Frankfurt/M., S. 245-261.

 

  

Kontakt

 

Benutzerspezifische Werkzeuge