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Aibe-Marlene Gerdes

Kurzvita

Aibe-Marlene Gerdes studierte Geschichte und Germanistik an den Universitäten Freiburg und Wien. Von 2010 bis 2014 promovierte sie im Fach Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zu der Kriegssammelbewegung zur Zeit des Ersten Weltkriegs. 2011 war sie am Digitalisierungsprojekt der Kriegssammlung der Österreichischen Nationalbibliothek Wien beteiligt. Sie war Mitglied der Graduiertenschule Kultur- und Sozialwissenschaften der Universität Freiburg und stellvertretende Sprecherin der interdisziplinären Promotionsarbeitsgruppe „Populäre Geschichts- und Wissenskulturen“. In enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik organisierte sie Tagungen zur populären Kriegskultur und veröffentlichte Aufsätze zum Soldatenlied und zur Kriegslyrik des Ersten Weltkriegs. Das Dissertationsvorhaben wurde durch das Evangelische Studienwerk Villigst gefördert.

Zwischen 2013 und 2016 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg und am Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte an der Universität Augsburg beschäftigt. Seit 2016 arbeitet sie im Haus der Geschichte in Bonn.

 

Dissertationsprojekt

Den Krieg sammeln. Die Kriegssammlungen der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg

 

Zwischen 1914 und den frühen 1920er Jahren wurden in den Mittelmächten über 500 Weltkriegssammlungen von öffentlichen Institutionen und Privatpersonen angelegt. Ausgehend vom Weltkrieg als große Zeitenwende" avancierte das Sammeln von Kriegsgedanken, Notgeld, Waffen und ganz besonders der Papierflut" der Kriegsdrucksachen zu einem gesellschaftlichen Massenphänomen, welches jedoch nach 1924 weitgehend in Vergessenheit geriet.

Das Dissertationsprojekt untersucht das Sammeln als kulturelle Praxis und essentiellen Ausdruck des Zeitgeistes von 1914-1918. Dazu werden sowohl die Sammelgegenstände als auch das Sammeln per se in seiner gesellschaftlichen Bedeutung genauer betrachtet.

Die Intention der Initiatoren der zahlreichen Weltkriegssammlungen im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn, ihre Sammeltätigkeit und -praxis sowie die kulturelle Verortung der Sammlungen in der Kriegsgesellschaft werden ausgehend vom zeitgenössischen populären und Fachdiskurs analysiert. Im Fokus der Untersuchung steht die Etablierung einer der Mittelmächte eigenen Kriegssammlerbewegung": Während Bibliotheken und Museen mit Vereinen und privaten Sammlern auf unkoventionellen Wegen um das sogenannte Kriegsmaterial konkurrierten, entstanden parallel dazu weitgefächerte und gut organisierte Zusammenschlüsse wie der Verband deutscher Kriegssammlungen, die die Interessen der Sammler gegen Staat, Militär und Wirtschaft vertraten.

Im Krieg der Worte" erschien jeder noch so kleine Papierschnipsel in der Masse als bedeutendes Kriegsdokument. Die papiernen Massenquellen der Sammlungen wie Plakate, Feldzeitungen oder Zeitungslyrik werfen freilich die Frage auf, welche Wahrnehmungsmuster des Kriegsalltags die Sammelgegenstände im Spannungsfeld zwischen Propaganda und Zensur widerspiegelten und was daran als sammelnswert empfunden wurde.

Nicht zuletzt wird ein Blick auf die Aufarbeitung und das Schicksal der Weltkriegssammlungen nach 1918 geworfen: Wieso gerieten diese umfangreichen zeitgeschichtlichen Dokumentationen derart in Vergessenheit?

  • Eingereicht am 03.09.2014
  • Disputation am 23.03.2015

 

Publikationen

Monographie
 
Herausgeberschaften
  • Populäre Kriegslyrik im Ersten Weltkrieg hg. von Nicolas Detering, Michael Fischer und Aibe-Marlene Gerdes. Münster: Waxmann 2013.
  • Frauen und populäre Literatur im Ersten Weltkrieg hg. von Michael Fischer und Aibe-Marlene Gerdes. Münster: Waxmann 2016.
  
Aufsätze
  • Der Soldat, der Engel und die Hure. Frauenbilder im Soldatenlied des Ersten Weltkrieges. In: Jahrbuch Musik und Gender 5 (2013). Musikbezogene Genderforschung. Aktuelle und interdisziplinäre Perspektiven hg. von Nicole K. Strohmann, Camilla Bork und Gesa Funke, S. 67-90.
  • Populäre Kriegslyrik als Sammelgegenstand. Die Kriegssammlungen im Deutschen Volkliedarchiv. In: Populäre Kriegslyrik im Ersten Weltkrieg hg. von Nicolas Detering, Michael Fischer und Aibe-Marlene Gerdes. Münster: Waxmann 2013, S. 97-118.
  • Soldatenlieder als Volkslieder – Volkslieder als Soldatenlieder. John Meier und das deutsche Soldatenlied. In: Ebd., S. 191-124.
  • „Spart Fleisch und Brot zur Zeit der Not!“ Küchenvorschriften in Kriegskochbüchern des Ersten Weltkrieges. In: Ariadne 63 (2013). In Haus und Hof. Geschlechterdiskurse im „Reich der Frau“ hg. von Laura Schibbe und Cornelia Wenzel (2013), S. 14-21.
  • Sammeln. Dokumentieren. Erinnern? – Die österreichischen Kriegssammlungen des Ersten Weltkrieges. In: Frontwechsel. Österreich-Ungarns „Großer Krieg“ im Vergleich hg. von Wolfram Dornik, Julia Walleczek-Fritz und Stefan Wedrac. Wien u.a.: Böhlau 2013, S. 139-161.
  • Kriegssammlungen 1914-1918. Eine Einführung. In: Kriegssammlungen 1914-1918 hg. von Julia Freifrau Hiller von Gaertringen. Frankfurt a.M.: Klostermann 2014, S. 15-29.
  • Die Kriegssammlung der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. In: Badische Heimat 94 (September 2014): Der Erste Weltkrieg am Oberrhein, S. 171-182. Gemeinsam mit Marcus Schröter.
  • Die Kriegsdokumentation 1914-1918 und die Anfänge der Weltkriegsbücherei. In: 100 Jahre Bibliothek für Zeitgeschichte hg. von Christian Westerhoff. Stuttgart: Württembergische Landesbibliothek 2015, S. 10-27.
  • Der Krieg und die Frauen. Geschlecht und populäre Literatur im Ersten Weltkrieg. Eine Annäherung. In: Frauen und populäre Literatur im Ersten Weltkrieg hg. von Michael Fischer und Aibe-Marlene Gerdes. Münster: Waxmann 2016, S. 9-28.
  • Die Frau im Feld: Geliebte, Soldatin, Prostituierte. Die Figur der Annemarie im deutschen Soldatenlied des Ersten Weltkriegs. In: Ebd., S. 249-274.
     
     

    Lehrveranstaltungen an der Universität Freiburg

     

    WS 2013/14

    Übung mit Dr. Marcus Schröter (UB Freiburg): „Kann man einen Krieg sammeln? Die Kriegssammlung der Universitätsbibliothek Freiburg im Ersten Weltkrieg“

     

    SS 2014

    Übung: „Massenquellen und populäre Literatur als Quellen der Geschichtswissenschaft“

     

    WS 2014/15

    Proseminar: „Krieg und Geschlecht. Die Weltkriege aus der Genderperspektive“

     

    SS 2015

    Hauptseminar mit Prof. Dr. Paletschek: „Studierende in Freiburg 1945 - ca. 1970. Studienerfahrung, Alltag, Politik“

     

    WS 2015/16

    Proseminar (an der Universität Augsburg): „Der Erste Weltkrieg in der populären Erinnerungskultur“

     

    Kontakt

    gerdes@hdg.de