Sie sind hier: Startseite Mitarbeitende und … Dr. Rebecca Schröder

Dr. Rebecca Schröder

Kurzvita

Rebecca Schröder studierte von 2010 bis 2015 Geschichte, katholische Theologie und Pädagogik an der Universität Freiburg. Von 2015 bis 2018 promovierte sie zum Thema „Der Freiburger katholische Theologe Engelbert Krebs auf Weltreise (1926/1927) – Vom Deutschnationalen zum Paneuropäer und katholischen Internationalen“. Die Promotionsarbeit wurde von der Konrad-Adenauer- Stiftung e.V. gefördert.

Während ihrer Promotionszeit absolvierte sie das einjährige Studienprogramm „Dialogperspektiven. Religionen und Weltanschauungen im Gespräch“ der jüdischen Ernst-Ludwig-Ehrlich Studienstiftung und das Studienprogramm der Graduiertenschule „Humanities“. Zusammen mit Antonia Schilling gründete sie die AG „Biographien“ und war bis April 2018 deren erste Sprecherin.

Parallel zu ihrem Studium und ihrer Promotion arbeitete Rebecca Schröder von 2012-2013 als Tutorin am Historischen Seminar, von 2012 bis 2016 als Museumspädagogin im Uniseum (Museum der Universität Freiburg) und von 2013-2018 als wissenschaftliche Hilfskraft im Universitätsarchiv Freiburg.

Von 2018 bis 2020 absolvierte Rebecca Schröder das Referendariat für den höheren Archivdienst in Baden-Württemberg mit den Stationen Zentraler Grundsatz und Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Abteilung Staatsarchiv Ludwigsburg, Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut Ludwigsburg (IFE), Universitätsarchiv Tübingen sowie Archiv des Baden-Württembergischen Landtags in Stuttgart.

Im Anschluss an das Referendariat war Rebecca Schröder als Koordinatorin des vom Bundesfinanzministerium geförderten Projekts zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts im Staatsarchiv Ludwigsburg beschäftigt.

Seit Dezember 2020 ist Rebecca Schröder wissenschaftliche Referentin im Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Sankt Augustin/Bonn.

Rebecca Schröder ist Lehrbeauftragte am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

 

Forschungsschwerpunkte und Interessensgebiete

  • Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte
  • Frauen- und Geschlechtergeschichte
  • Politische Katholizismusforschung sowie Kirchen- und Theologiegeschichte
  • Neuere Biographieforschung
  • Archivwissenschaften
  • Digital Humanities

 

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2021

Wintersemester 2020/21

Sommersemester 2020

Wintersemester 2019/20

Mitgliedschaften

  • Altstipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
  • Gesellschaft für Wissenschafts- und Universitätsgeschichte
  • Schwerter Arbeitskreis für Katholizismusforschung
  • Arbeitskreis für Frauen- und Geschlechtergeschichte
  • Verein Weimarer Republik e.V.
  • Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.

 

Abgeschlossenes Dissertationsprojekt

Der katholische Theologe Engelbert Krebs auf Weltreise (1926/1927) - Vom Deutschnationalen zum Paneuropäer und katholischen Internationalen“

Das Promotionsprojekt beschäftigte sich mit dem Theologen und Zentrumspolitiker Engelbert Krebs, der nicht nur als eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt Freiburg und der Erzdiözese bezeichnet werden kann, sondern auch national und international bedeutsam war. Im Vordergrund der Untersuchung stand Krebs' politische persona: Im Ersten Weltkrieg noch ein stramm national-konservativer, den Krieg theologisch rechtfertigender Monarchist, wandelte sich Engelbert Krebs in der Zwischenkriegszeit zu einem der wenigen, dezidiert weimar- und republiktreuen Hochschullehrer:

In der Weimarer Republik war Krebs im Freiburger Ortsausschuss des Zentrums und als Stadtverordneter aktiv. In regelmäßigen Abständen veröffentlichte Krebs zur tagespolitischen Situation Artikel in den Zentrumsblättern und Freiburger Zeitungen. In diesen sprach er sich für einen klaren „Zentrumsstandpunkt“ aus. Christliche und sittliche Maßstäbe sollten weiter verfolgt und der Sozialdemokratie vor allem in Fragen der Bildung und Erziehung nicht nachgeben werden. Themen, die Krebs in seiner Funktion als Theologieprofessor in dieser Zeit ebenso am Herzen lagen, waren die Umsetzung der Universitätsreformen, der Kampf gegen den aufkommenden Nationalismus und die Diskriminierung jüdischer Studierender sowie der Aufbau der katholischen Frauenseelsorge an der Universität. Vor dem Hintergrund der innerhalb der Zentrumspartei stattfindenden Diskussion um eine politische Neuausrichtung forderte Krebs von der Zentrumspartei ein unvoreingenommenes Bekenntnis zur demokratischen Republik und zu einem vereinten Europa auf christlicher Grundlage.  Um selbst zur friedlichen Annäherung der Völker beizutragen, unternahm Krebs im Jahr 1926 eine Reise um die Welt, die ihn an Universitäten in Amerika und Asien führte, wo er Vorträge über die aktuelle weltpolitische und geistige Lage in Europa hielt. Auf Basis seiner Reiseerfahrungen entwarf Krebs seine Paneuropa-Konzeption, in der er die europäischen Staaten als eine Wert-, Kultur-, Wirtschafts- und Religionsgemeinschaft charakterisierte und die Vision eines weltumfassenden Katholizismus verfolgte. Krebs war von vorneherein ein kompromissloser Gegner des Nationalsozialismus und entging nur knapp der Deportation in das KZ Dachau.

Verschiedene wissenschaftliche Beiträge haben sich bisher v.a. mit Krebs antinationalsozialistischem Engagement auseinandergesetzt und die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik weitgehend ausgespart. Sowohl Krebs Rolle bei der Etablierung der demokratischen Staatsordnung in Baden als auch sein Engagement in der badischen Zentrumspartei wurden vernachlässigt und sind bisher nur in einzelnen Beiträgen am Rande thematisiert worden. Das Promotionsvorhaben verfolgte deswegen die Leitfrage, wie sich Krebs als Theologe, Universitätsprofessor und Zentrumspolitiker zu der sich nach dem Ersten Weltkrieg forciert entfaltenden Moderne, hier insbesondere der zunehmenden Globalisierung und der sich anbahnenden Europäisierung, verhielt und welche Wechselwirkungen zwischen seiner Theologie, seiner politischen Haltung und seinem gesellschaftlichen Agieren bestanden.

Dabei knüpfte das Promotionsvorhaben an Ansätze der Biographieforschung und der zeitgeschichtlichen Katho-lizismusforschung, die das 19. und 20. Jahrhundert verstärkt im Kontext der Europäisierung und Internationalisierung betrachtet, an. Außerdem wurden Ansätze der transnationalen Geschichte und Transfergeschichte aufgegriffen . Die Quellengrundlage bildete der Nachlass von Engelbert Krebs. In diesem befinden sich Tagebücher, Korrespondenzen, Vortragsmanuskripte und seine theologische Schriften. Hierzu kommen Krebs publizierte Monographien, Aufsätze und Artikel, die er in den Zentrumsblättern wie der Germania und den Freiburger Zeitungen veröffentlichte. Ergänzt wurde das Quellenmaterial durch Archivalien des Erzbischöflichen Archivs Freiburg, des Stadtarchivs Freiburg und des Generallandesarchivs Karlsruhe. 

Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik verfolgt nicht nur das Ziel, ein wichtiges Lebenskapitel dieses politisch engagierten Theologen aufzuarbeiten und somit auch zu einer Neubewertung seiner antinationalsozialistischen Haltung beizutragen. Die Promotion über Engelbert Krebs zeichnet Traditionslinien und Kontexte christlicher Europapolitik nach und zeigt an seiner Person exemplarisch, wie Theologie und Politik in der Frühphase von Europäisierung und Globalisierung in der Zwischenkriegszeit verschränkten und wie Krebs als Vertreter des politischen Katholizismus auf diese Herausforderungen der beschleunigten Moderne reagierte.

 

Kontakt

 Rebecca_Schroeder@web.de