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Rebecca Schröder

Kurzvita

Rebecca Schröder studierte von 2010 bis 2015 Geschichte und katholische Theologie an der Universität Freiburg.  2015 schloss sie ihr Studium mit der Zulassungsarbeit zum Thema „Engelbert Krebs (1881-1950) – ein Freiburger Theologe im Ersten Weltkrieg“ ab, in der sie die theologische Interpretation des Ersten Weltkriegs in der religiösen Kriegsliteratur und den Tagebüchern des katholischen Theologen Krebs untersuchte. Neben ihrem Studium arbeitete Rebecca Schröder als Tutorin am Historischen Seminar: Im Wintersemester 2012/2013 tutorierte sie die Vorlesung „Einführung in das Studium der Geschichte“, im Sommersemester 2013 das Proseminar „Die Entwicklung der Nationalbewegung im geteilten Polen im 19. Jahrhundert“, geleitet von Dr. Martin Faber. Zudem arbeitete sie von 2012 bis 2016  als Museumspädagogin im Uniseum (Museum der Universität Freiburg). Seit 2013 ist Rebecca Schröder wissenschaftliche Hilfskraft im Universitätsarchiv Freiburg. Seit Oktober 2015 arbeitet Rebecca Schröder an ihrer Dissertation mit dem Titel „Engelbert Krebs (1881-1950) – ein Freiburger Theologe in der Welt“. Seit Mai 2016 ist sie Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung.

 

Lehrveranstaltung im WiSe 2019/2020

 

Dissertationsprojekt - Abgeschlossen

Engelbert Krebs (1881-1950) - ein katholischer Theologe in der Welt. Weltreisender, Wissenschaftler, Paneuropäer“

Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit dem Theologen und Zentrumspolitiker Engelbert Krebs, der nicht nur als eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt Freiburg und der Erzdiözese bezeichnet werden kann, sondern auch national und international bedeutsam war. Im Vordergrund der Untersuchung soll Krebs politische persona stehen: Im Ersten Weltkrieg noch ein stramm national-konservativer, den Krieg theologisch rechtfertigender Monarchist, wandelte sich Engelbert Krebs in der Zwischenkriegszeit zu einem der wenigen, dezidiert weimar- und republiktreuen Hochschullehrer:

In der Weimarer Republik war Krebs im Freiburger Ortsausschuss des Zentrums und als Stadtverordneter aktiv. In regelmäßigen Abständen veröffentlichte Krebs zur tagespolitischen Situation Artikel in den Zentrumsblättern und Freiburger Zeitungen. In diesen sprach er sich für einen klaren „Zentrumsstandpunkt“ aus. Christliche und sittliche Maßstäbe sollten weiter verfolgt und der Sozialdemokratie vor allem in Fragen der Bildung und Erziehung nicht nachgeben werden. Themen, die Krebs in seiner Funktion als Theologieprofessor in dieser Zeit ebenso am Herzen lagen, waren die Umsetzung der Universitätsreformen, der Kampf gegen den aufkommenden Nationalismus und die Diskriminierung jüdischer Studierender sowie der Aufbau der katholischen Frauenseelsorge an der Universität. Vor dem Hintergrund der innerhalb der Zentrumspartei stattfindenden Diskussion um eine politische Neuausrichtung forderte Krebs von der Zentrumspartei ein unvoreingenommenes Bekenntnis zur demokratischen Republik und zu einem vereinten Europa auf christlicher Grundlage.  Um selbst zur friedlichen Annäherung der Völker beizutragen, unternahm Krebs im Jahr 1926 eine Reise um die Welt, die ihn an Universitäten in Amerika und Asien führte, wo er Vorträge über die aktuelle weltpolitische und geistige Lage in Europa hielt. Auf Basis seiner Reiseerfahrungen entwarf Krebs seine Paneuropa-Konzeption, in der er die europäischen Staaten als eine Wert-, Kultur-, Wirtschafts- und Religionsgemeinschaft charakterisierte und die Vision eines weltumfassenden Katholizismus verfolgte. Krebs war von vorneherein ein kompromissloser Gegner des Nationalsozialismus und entging nur knapp der Deportation in das KZ Dachau.

Verschiedene wissenschaftliche Beiträge haben sich bisher v.a. mit Krebs antinationalsozialistischem Engagement auseinandergesetzt und die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende der Weimarer Republik weitgehend ausgespart. Sowohl Krebs Rolle bei der Etablierung der demokratischen Staatsordnung in Baden als auch sein Engagement in der badischen Zentrumspartei wurden vernachlässigt und sind bisher nur in einzelnen Beiträgen am Rande thematisiert worden. Das Promotionsvorhaben verfolgt deswegen die Leitfrage, wie sich Krebs als Theologe, Universitätsprofessor und Zentrumspolitiker zu der sich nach dem Ersten Weltkrieg forciert entfaltenden Moderne, hier insbesondere der zunehmenden Globalisierung und der sich anbahnenden Europäisierung, verhielt und welche Wechselwirkungen zwischen seiner Theologie, seiner politischen Haltung und seinem gesellschaftlichen Agieren bestanden.

Dabei knüpft das Promotionsvorhaben an Ansätze der Biographieforschung und der zeitgeschichtlichen Katholizismusforschung, die das 19. und 20. Jahrhundert verstärkt im Kontext der Europäisierung und Internationalisierung betrachtet, an. Außerdem sollen Ansätze der transnationalen Geschichte und Transfergeschichte aufgegriffen werden. Die Quellengrundlage bildet der Nachlass von Engelbert Krebs. In diesem befinden sich Tagebücher, Korrespondenzen, Vortragsmanuskripte und seine theologische Schriften. Hierzu kommen Krebs publizierte Monographien, Aufsätze und Artikel, die er in den Zentrumsblättern wie der Germania und den Freiburger Zeitungen veröffentlichte. Ergänzt werden soll das Quellenmaterial durch Archivalien des Erzbischöflichen Archivs Freiburg, des Stadtarchivs Freiburg und des Generallandesarchivs Karlsruhe. 

Eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik verfolgt nicht nur das Ziel, ein wichtiges Lebenskapitel dieses politisch engagierten Theologen aufzuarbeiten und somit auch zu einer Neubewertung seiner antinationalsozialistischen Haltung beizutragen. Die Promotion über Engelbert Krebs zeichnet Traditionslinien und Kontexte christlicher Europapolitik nach und zeigt an seiner Person exemplarisch, wie Theologie und Politik in der Frühphase von Europäisierung und Globalisierung in der Zwischenkriegszeit verschränkten und wie Krebs als Vertreter des politischen Katholizismus auf diese Herausforderungen der beschleunigten Moderne reagierte.

 

Kontakt

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