Sie sind hier: Startseite Lehre Lehrveranstaltungen … Übung: Vom Humanismus zur …

Übung: Vom Humanismus zur Aufklärung. Deutsche Geistesgeschichte der Frühen Neuzeit

PD Dr. Uwe Wilhelm
Wann 23.10.2019 um 18:00 bis
12.02.2020 um 20:00
Wo KG IV; 4429
Termin übernehmen vCal
iCal

Der aus Italien stammende Humanismus, der am Anfang des neuzeitlichen Welt- und Menschenbildes steht, zog in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auch in Deutschland ein. Seine Blütezeit erlebte der deutsche Humanismus, der maßgeblich von Erasmus geprägt wurde, aber auch eine betont nationale Tendenz besaß, in den Jahren zwischen 1490 und 1520. Mit dem Durchbruch der Reformation geriet er in die Defensive, blieb namentlich im Bildungswesen aber eine bestimmende Kraft. Das „konfessionelle Zeitalter“, meist datiert auf das knappe Jahrhundert zwischen den Friedenschlüssen von Augsburg (1555) und Westfalen (1648), war geistesgeschichtlich vor allem gekennzeichnet durch den Streit der Theologen um die „wahre Lehre“ (Kontroverstheologie). Die hieraus erwachsende Kluft zwischen Theologie und lebendigem Glauben ließ, anknüpfend an ältere Traditionen, eine protestantische Mystik entstehen, die in den 1670er Jahren in den Pietismus, die größte nachreformatorische Reformbewegung des Luthertums, einmündete. Daneben finden sich frühe Beispiele naturwissenschaftlicher Forschung, Bemühungen um die Hebung der deutschen Sprache sowie Versuche, die verwickelte Reichsstruktur adäquat zu beschreiben (Reichspublizistik). Bereits in den 1660er Jahren, also nicht lange nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, setzte die Aufklärung in Deutschland ein. Im ganzen wies die deutsche Aufklärung einen moderaten Charakter auf, Ziel war eine reformorientierte Verbesserung der Verhältnisse. Sie war nicht grundsätzlich religions- oder kirchenfeindlich, zudem suchte sie, häufig mit Erfolg, das Bündnis mit dem monarchischen Staat („Aufgeklärter Absolutismus“). Daneben gab es aber auch radikale Strömungen, die nicht übersehen werden sollten. Spätestens seit dem zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts beherrschte die Aufklärung das geistige und kulturelle Leben im Reich. Höhepunkt und Abschluß der Bewegung bildete Kant, der mit seiner transzendentalen Erkenntniskritik der klassischen Metaphysik den Boden entzog und zugleich zu einem wichtigen Wegbereiter des Liberalismus wurde. In der Übung, die als Quellenkurs konzipiert ist, sollen Schlüsseltexte der skizzierten Phänomene und Entwicklungen intensiv gelesen, analysiert und historisch eingeordnet werden. Vorgesehen sind - die Liste ist vorläufig und läßt sich bei Bedarf ändern - Texte von Hutten, Luther , Erasmus, Kepler, Böhme, Spener, Pufendorf, Leibniz, Reimarus und Kant.
 

Zu erbringende Studienleistung
Die Studienleistung besteht aus einer kurzen Hausarbeit (8-10 S.).
 

Literatur
Hans-Joachim Schoeps, Deutsche Geistesgeschichte der Neuzeit, Bde. 1-3, Mainz 1977/78; Winfried Trillitzsch, Der deutsche Renaissancehumanismus, Leipzig 1981; Horst Möller, Vernunft und Kritik. Deutsche Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert, Frankfurt/M. 1986; Angela Borgstedt, Das Zeitalter der Aufklärung, Darmstadt 2004.

Zeit
Mi 18 - 20 Uhr (c.t.)

abgelegt unter: