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Übung: Politisches Denken zu Beginn der Neuzeit: Humanismus – Reformation – Glaubenskämpfe

PD Dr. Uwe Wilhelm
Wann 24.04.2020 um 18:00 bis
22.07.2020 um 20:00
Wo KG IV, Raum 4429
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Die Ursprünge des neuzeitlichen politischen Denkens liegen im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. In jenen Jahren erfuhren Staat und Politik eine grundlegende Neubestimmung, zudem bildeten sich konkurrierende politische Ordnungsvorstellungen heraus. Erstaunlich bleibt die Tatsache, dass die ersten maßgeblichen Schriften, allesamt humanistisch geprägt, praktisch zur gleichen Zeit (zwischen 1513 und 1516) abgefaßt wurden. Am Anfang der Entwicklung steht Machiavelli, der, indem er die antik-christliche Verknüpfung von Politik und Moral bzw. Religion auflöste, die Eigenlogik des Politischen („Staatsräson“) begründete. Darüber hinaus läutete er, orientiert am Aufstieg Roms, den neuzeitlichen Republikanismus ein. In jeder Hinsicht das Gegenstück hierzu bildete der christliche Fürstenspiegel von Erasmus. Die berühmte „Utopia“ seines Freundes Thomas Morus verlegt die erhoffte politisch-soziale Gerechtigkeit auf eine ferne Insel, womit er zum Begründer der gleichnamigen Literaturgattung wurde. Die unmittelbar hierauf einsetzende Reformation bestimmte das Verhältnis von Politik und Religion wiederum anders und dies auf höchst konträre Weise: Während Luther mit seiner Zwei-Reiche-Lehre eine grundsätzliche Gehorsamspflicht gegenüber der gottgewollten weltlichen Obrigkeit postulierte, setzte sich Thomas Müntzer, der aus der neugewonnenen evangelischen Freiheit sozialrevolutionäre Konsequenzen zog, an die Spitze der aufständischen thüringischen Bauern. Theoretisch folgenreich wurde sodann der erste große konfessionelle Bürgerkrieg der frühen Neuzeit, die sog. Hugenottenkriege in Frankreich (1562-1598). Die Erfahrung, dass Herrscher und Volk in einen unversöhnlichen konfessionellen Gegensatz geraten konnten, führte zur Lehre vom Recht auf Widerstand gegenüber einer andersgläubigen, tyrannischen Obrigkeit – eine Auffassung, welche insbesondere die calvinistischen Monarchomachen vertraten. Alternativ hierzu wurde das zukunftsweisende Modell einer überkonfessionellen, starken, mit ungeteilter Souveränität ausgestatteten Monarchie entwickelt (Bodin).        

In der Übung, die als Quellenkurs konzipiert ist, sollen die zentralen politischen Texte der genannten Autoren intensiv gelesen, analysiert und historisch eingeordnet werden.
 

Zu erbringende Studienleistung
Die geforderte Studienleistung besteht aus einer kurzen Hausarbeit (8-10 Seiten), die spätestens gegen Ende der folgenden Semesterferien abzugeben ist.  
 

Literatur
H. Fenske/D. Mertens/W. Reinhard/K. Rosen, Geschichte der politischen Ideen. Von der Antike bis zur Gegenwart, aktual. Neuausg., Frankfurt/M. 1996; I. Fetscher/H. Münkler (Hg.), Pipers Handbuch der politischen Ideen, Bd. 3, München 1985. 


Zeit
Mi 18 - 20 Uhr (c.t.)

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