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Übung: Politisches Denken in den englischen Revolutionen des 17. Jahrhunderts

PD Dr. Uwe Wilhelm
Wann 24.04.2019
von 18:15 bis 19:45
Wo KG IV, Raum 4429
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Als Gesamtphänomen betrachtet, stellen die revolutionären Vorgänge, die England im 17. Jahrhundert erschütterten, die erste große Revolution der Neuzeit dar. Real zerfällt das Geschehen in zwei separate Revolutionen, die zwar auf vielfältige Weise zusammenhängen, in der Sache aber doch getrennt werden sollten: zum einen die häufig als „Englische Revolution“ bezeichneten Jahre 1640-1660, welche den ersten und zweiten Bürgerkrieg, die Hinrichtung Karls I., die Errichtung der Republik (Commonwealth) und das Protektorat Cromwells umfassen, zum anderen die „Glorious Revolution“ von 1688/89; dazwischen fand die Restauration der Monarchie unter den Stuarts statt. Die zentralen Streitfragen beider Revolutionen waren sowohl verfassungspolitischer (Machtverteilung zwischen Krone und Parlament) als auch religions- bzw. kirchenpolitischer Natur, die schließliche Lösung bestand in der Einrichtung einer konstitutionellen Monarchie, die (begrenzte) religiöse Toleranz gewährte und deren Schwerpunkt beim Parlament lag. Mit der Abwehr absolutistischer Bestrebungen hielt England an seiner gemischtverfaßten Tradition fest und schlug einen freiheitlichen Sonderweg in der Verfassungsentwicklung ein. Ein hervorstechendes, ja faszinierendes Merkmal der revolutionären Vorgänge besteht in der Bandbreite und Radikalität der politischen Ordnungsvorstellungen, die sie hervorbrachten. Die revolutionäre Epoche fungierte als ein Laboratorium für politische Ideen, von denen nicht wenige in den Kernbestand des westlichen Verfassungsdenkens eingegangen sind und die vieles von dem vorwegnahmen, was spätere Revolutionen anstrebten bzw. verwirklichten. Zu nennen wären u. a. die naturrechtliche Vertragstheorie, die Vorstellung unveräußerlicher Grundrechte, der Gedanke der Volkssouveränität in Verbindung mit einem (weitgehend) demokratischen Wahlrecht, Gewaltenteilungsideen, verschiedene republikanische Modelle, schließlich absolutistische wie auch kommunistische Konzeptionen. Diese politische Ideenwelt steht im Mittelpunkt der als Quellenkurs konzipierten Übung. Zu Beginn erscheint es angebracht, sich einen groben Überblick über das Geschehen zu verschaffen. Sodann sollen Schlüsseltexte intensiv gelesen, analysiert und eingeordnet werden. Vorgesehen sind - die Liste ist vorläufig - Texte der Levellers („Agreement of the People“) und der Diggers (Winstanley), ferner von Hobbes, Milton, Harrington und Locke.

 

 Zeit:

  • Mittwoch, 18-20 Uhr (c.t.)

 

 

 

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